Cesar Millan - Hundeflüsterer oder Tierquäler?

In den letzten Jahren wurde Cesar Millan in den Medien gerne immer wieder als Tierquäler, “Mr. Kick”, etc. bezeichnet. Es gibt wohl keinen anderen Hundeflüsterer der die Hundewelt dermassen polarisiert, bzw. Meinungen spaltet. Für die einen ist er der “Hunde-Messias”, für die anderen ein Tierquäler. In der Tat bin auch ich nicht mit allem einverstanden, was er gezeigt hatte. Einige Fälle würde er (nach heutigem Wissensstand) sicherlich auch anders lösen. Cesar ist auch nur ein Mensch und jeder hat schon Fehler gemacht. Wichtig wäre, dass man aus Fehlern lernen dürfte. Das hat Cesar in den letzten Jahren mehrfach bewiesen (heute verwendet er z.B. Vibrations-Halsbänder anstelle der Elektro-Halsbänder). Bei 80-90% der Fälle, wo Cesar Millan für seine Arbeitsweise kritisiert wurde, handelte es sich um extremste Fälle aus den Serien 1-2, die aus den Jahren 2004- 2005 stammen - also ganz am Anfang seiner Hundeflüsterer-Karriere. Sie sind nun über 15 Jahre alt... Bei den gezeigten Beispielen handelte es sich um Hunde, mit jeweils kras - sestem, z.T. äusserst aggressivem Verhalten. Man vergisst auch, dass diese Hunde zuvor menschlichen Umfeld (durch Vermenschlichung) so „kaputt“ gemacht wurden - nur weil man ihnen im falschen Moment Zuwendung gab. Hunde kommen nie mit Fehlverhalten zur Welt - sie werden immer durch das Umfeld “erworben”, wie man es in der Fachsprache nennt. Cesar Millan hat diesen Hunden wenigs - tens eine Chance gegeben und oft auch bewiesen, dass sie in einem artgerechten Umfeld (Rudel) normal funktionieren können, egal, was sie vorher alles erleben mussten. Ob es dann zu Hause auch funktionieren kann, ist eine andere Geschichte. In den Serien 4-6 (ab 2010) zeigt der Hundeflüsterer ganz klar eine andere Arbeitsweise. Cesar Millan hat mit den Jahren seine Methoden stark verändert und er arbeitet seither viel mehr mit Körpersprache und Blickkon - takt, als mit körperlichen Korrekturen. Auch er durfte über die Jahre lernen, dass man Hunden mit Fehlverhalten viel schneller helfen kann, wenn man den Hund in seiner Psyche erreicht . Nur so kann ein Hund einem Menschen so rasch vertrauen, wie Cesar dies mehr als genug in seinen Sendungen gezeigt hatte. Bei der Serie 6 war der Hundeflüsterer selbst an seinem Tiefpunkt ange - langt (Scheidung, Selbstmordabsichten, etc.). In dieser Zeit kann man gut sehen, dass auch Cesar nur ein Mensch ist und auch er in schwierigen (persönlichen) Situationen Fehler machte, bzw. auch er es in gewissen Situationen es nicht schaffte, immer die richtige Energie zu haben, die man bei der Arbeit mit hochsen - siblen Hunden haben müsste (als er von einem Labi gebissen wurde). Auch wenn ich mittlerweile meine eigene Philosophie entwickelt habe, so zählen Cesar Millan und Maike Maja Nowak zu meinen grössten Vorbildern und ich zähle die beiden zu den besten Hundeverstehern auf der ganzen Welt. Besonders Cesar Millan hatte ich in den ersten 3-4 Jahren sehr viel zu verdanken und die Hundeflüsterer-Serien zählen noch heute zu den lernreichsten Sendungen , die es aus meiner Sicht gibt. Sendungen, die nach seiner Scheidung produziert wurden, kann man sich sparen - er scheint nicht mehr derselbe zu sein.

Wenn nicht Cesar - wer hilft sonst bei extremen Fällen?

Jeder Hund erwartet einen gewissen „Level“, damit er sich unterordnen kann (abhängig vom Hunde-Typ und seiner Wesensstärke und seinem Alter). Als Mensch könnte man diese Grenze auch als “Dominanz-Skala” oder “Gewalt-Skala” bezeichnen. Erwartet ein Hund z.B. Stufe 5 (von 10), so muss man ihm EINMAL zeigen, dass man bereit ist, bis Stufe 6 zu gehen, damit man respektiert werden kann. Hunde tasten sich in der Natur langsam an diese Grenze heran. Deswegen wird jede Korrektur (die ignoriert wurde), beim nächsten Mal immer etwas stärker, bis die Grenze dann erreicht ist. Trifft man also auf extreme Fälle (1% aller Hunde), wo der Hund bereit ist, sein Gegenüber zu töten , so lassen sich solche Hunde nicht mit vermensch - lichten Trainingsmethoden, wie z.B. der operanten Lernmethode, Clicker-Training, Leckerli & Co, etc therapieren. Deswegen braucht es Menschen mit einem souveränen Leithunderudel , um Leithunden und ihren Hundehaltern helfen zu können. Erst wenn man selbst einen Leithund bekommen hat, kann man verstehen , wie wichtig Menschen wie Cesar und meine Wenigkeit sind, um die natürliche K ommunikation und artge - rechte Haltung von Leithunden erlernen zu dürfen.

Sollte man bei extremen Fällen überhaupt helfen?

Cesar Millan hat vielfach bewiesen, dass er mit seinem Rudel fast jedem Hund wieder in diesen ruhigen und ausgeglichenen Zustand verhelfen konnte, auch wenn der Aufenthalt in seinem Zentrum teilweise mehrere Monate gedauert hatte. Leider fallen aber viele Hunde wieder in ihre alten Verhaltensmuster zurück , sobald sie wieder zu ihren Besitzern zurückgebracht wurden. Dies, weil die Besitzer es nicht schafften, stets diese “ruhige und bestimmte Energie” an den Tag zu legen. Meine Erfahrung zeigt, dass man bei gewissen Hunden nur gute Chancen hat, wenn man sich rechtzeitig um Führung kümmert. Hat ein Leithund sein Menschenrudel schon über mehrere Jahre kontrolliert, so wird es sehr schwierig, ihn dazu zu bringen, seinen Führungsanspruch wieder abzugeben... Leider bleibt aus tierpsychologischer Sicht (bei extremen Fällen in hohem Alter) nur noch die Empfehlung, den Hund von seinem Stress zu erlösen, wenn die Aussichten auf Erfolg nicht mehr gegeben sind, bzw. der Alltags-Stress für den Hund zu gross würde und/oder er für sein Umfeld zur Gefahr werden könnte. Allzu oft werden Hunde eingeschläfert oder weggesperrt, denen man hätte helfen können, wenn man das Wissen über diese speziellen Hunde gehabt hätte.

Warum zeigen Hunde aggressives Verhalten?

Ich kann nicht verstehen, warum man heute noch Rassen züchtet, die über 50kg wiegen müssen und leider wird allzu oft mit unausgeglichenen Muttertieren gezüchtet ... Bekommt man dann noch einen Leithund und gibt ihm dann von Anfang an vorwiegend Zuwendung anstelle klarer Strukturen und Regeln (die der Hund von seiner Mutter gewohnt war), so nehmen Hundeprobleme mit der Zeit immer ihren Lauf. Hunde sind Rudeltiere und sollten nicht allein gehalten werden. Insbesondere Leit - hunde bräuchten 1-2 passende Artgenossen, um ein artgerechtes Leben führen zu dürfen. Bei Einzelhaltung kann ein Leithund in seiner Rolle überfordert sein und sie kann zu Frustrationsverhalten führen . Mit der Zeit wird es immer grösser und der Hund befindet sich irgendwann in einem “dauerangespannten Modus”. Bei unausgeglichenen Hunden kann schon die kleinste Aufregung zu Aggressions- Verhalten führen.

Physische Gewalt / Schmerzempfinden bei Hunden

Jeder Mensch hat seine eigene Definition von körperlicher Gewalt. Der eine würde einen Wasserspritzer als Gewalt empfinden, der andere z.B. einen „Kick“ oder einen Leinenruck. Selbstverständlich kann nicht das Ziel sein, dass man ständig an seinem Hund herumzerren oder ihn treten müssen. Dies wäre tierschutz-widrig und wäre ein klares Zeichen, dass man vom Hund nicht als Führungsperson akzeptiert bzw. respektiert werden kann. Betrachtet man z.B. meine Leithunde im Rudel, so korrigieren diese oft härter als wir Menschen dies tun würden. Weil sie darauf bestehen, dass der (weniger souve - räne) Hund die Korrektur akzeptieren muss, müssen sie dann auch nicht ständig immer und immer wieder korrigieren.

Eine Korrektur versteht ein Hund - nicht aber eine Bestrafung

Es ist ein grosser Unterschied , ob man den Hund nur korrigiert, oder ihn (aus menschlicher Sicht) bestrafen würde. In der Natur gibt es keine Bestrafungen - nur Korrekturen. Der wichtige Unterschied liegt darin, dass Korrekturen von Hunden immer emotionslos gemacht werden. Hat man als Mensch schlechte Energien (wir sind ärgerlich, frustriert, wütend, etc.), so kann der Hund nichts lernen. Sie können nur auf souveräne Wesen hören. Genau in diesem Moment verliert man den Einfluss auf seinen Hund komplett. Versucht man dann auch noch mit Druck zu arbeiten, kann man in so einem Moment vom eigenen Hund gebissen werden (aus seiner Sicht war es jedoch eine Korrektur).

Psychische Gewalt / Überforderung bei Reizen

Oft vergisst man, dass ein Hund eine „tierische“ Psyche hat. Deswegen liegt man auch so oft falsch, wenn man seine Bedürfnisse über Hunde befriedigt und sich dann auch noch einredet, dass es für den Hund so auch stimmen müsste (er hat ja alles...). Genau hier fängt die Vermenschlichung von Hunden an, denn sie haben ganz andere Bedürfnisse, als Menschen... Leithunde, die zu Hause ihre Menschen besitzen oder kontrollieren dürfen, sind dann mit ihrer Führungsrolle (draussen, im fremden Territorium) komplett überfor - dert. Solche Hunde werden (mit den Jahren) immer unsicherer, ängstlicher, schreckhafter, etc. und werden irgendwann falsch reagieren müssen. Befinden sie sich in diesem “dauer-angespannten Modus”, so genügt schon die kleinste Aufregung, um Fehlverhalten auszulösen. Solche Hunde haben beim Verlassen des “sicheren zu Hause” permanenten Stress, wenn man es nicht schafft, vom Hund als Führungsperson akzeptiert zu werden. Mit der Zeit kann es passieren, dass Hunde so überfordert werden, dass nicht einmal mehr die eigenen 4 Wände Sicherheit geben können (z.B. bei Geräuschen, Wind, Gewitter, Feuer - werk, etc). Es würde als traumatisch für den Hund… So kann jeder Spaziergang und fast jede Begegnung schon bald zur Qual für Hund und Mensch werden...

Cesar Millan-Kritiker

Es ist schon komisch, dass Hundehalter, die Cesar kritisieren oft selbst einen angespannten, unausgeglichenen, unsicheren bis ängstlichen Hund haben (siehe psychische Gewalt). Dass dieses Verhalten an den vermenschlichten Ansichten und Umgang der Halter liegt, wollen diese aber selten wahrhaben. Es ist auch praktisch, gewisse Verhaltensmuster einfach über die Rasse (oder was der Hund bereits erlebt haben mag) zu erklären... Ich bin immer wieder erstaunt, wieviel Energie die Hundetrainer-Welt und Organisationen , die sich (angeblich) um Tierschutz kümmern (sollten), in “ihren Kampf gegen Cesar” verschwenden. Würden sich diese einfach mal nur etwas Zeit nehmen, um versuchen zu verstehen, was Cesar überhaupt macht, so könnten diese „ihre Kunden“, die auch einen Hund retten möchten, besser coachen und sie dürften auch lernen, , warum Tipps wie „Fütterung aus der Hand“ oder Geschirr bei Leithunden IMMER zu Problemen führen müssen. Cesar Millan hat weltweit so viele Anhänger, wie kein anderer. Sie alle sind von seiner Methode absolut überzeugt. Wie kann man sich nur vorstellen, dass all diese Cesar-Anhänger, welche seine Methoden an ihrem eigenen Vierbeiner anwenden, dies nur tun würden, um dem Hund Schaden zuzufügen, ihn zu unter - drücken oder ihn gar zu quälen? Hundehalter die Cesar’s Philosophie leben, haben in der Regel selten so verunsicherte Hunde, wie die Menschen, welche Cesar komplett verurteilen. Wenn man genau hinschaut, so sind es immer die “Leader” unter den Hunden, welche ihre Halter dazu zwingen, sich um Naturinstinkte und deren Gesetze von Hunden zu kümmern. Leithunde warten nur darauf, dass ihre Halter mit ihnen so umgehen, wie Cesar es vorlebt. Wie schon erwähnt, lassen sich Leithunde nicht mit menschlichen Ideologien über - tölpeln. Sie handeln instinktiv ausschliesslich nach ihren Naturgesetzen und sie treffen Entscheidungen, wenn der Mensch die Rangordnung einem Leithund über - lässt. Menschliche Tierpsychologen oder Verhaltenstherapeuten würden bei „aussichtslose Fällen vielleicht noch zu Medikamenten greifen, bevor sie einge - schläfert würden... Erklärungen warum es so kommen musste, würden dann rasch über Rasse, oder frühere Erlebnisse oder über andere, menschlich-logischen Erklärungen gefunden. Dass es sich aber sehr oft “nur” um (wertvollste) Leithunde handelt, verstehen leider viele Experten noch immer nicht. Gut - sie lernen es in ihren Ausbildungen nicht besser und viele scheinen auch schon Beratungsresistent zu sein. Viel Kritik kommt von Fachpersonen, wie Tierärzten, Tierpsychologen, etc. Dabei wäre wohl kaum einer von ihnen in der Lage, auch nur bei einem einzigen Fall helfen zu können, bei welchen sie selbst Cesar kritisieren würden. All dieje - nigen, die sich irgendwann in der Hundetrainer-Welt weiterentwickeln wollen, kommen nicht darum herum, zwischen normalen Gefolgshunden und Leithunden zu unterscheiden. Nur ein einziger Besuch in meinem Rudel, würde so manchem die Augen öffnen dürfen. Es gibt in der Hundetrainer-Welt viele Neider. Jeder arbeitet nach eigenen Methoden und Ansichten. Als Mensch hat man gelernt, dass es Diplome braucht, um glaubwürdig sein zu können. Es muss schon etwas frustrierend sein, wenn man nach jahrelangem, teurem Studium dann feststellen muss, dass es schon relativ viel Konkurrenz gibt. Sie alle haben dasselbe oder ein ähnliches menschli - ches Tierpsychologie-Studium absolviert. Sie wissen danach zwar, wie viele Zähne Hunde haben und sie hatten verschiedenste Konditionierungs-Systeme gelernt, OHNE die (natürliche) Psychologe von Hunden lernen zu dürfen . Die natür - liche Psychologie von Hunden wäre eigentlich die Basis, auf der man aufbauen könnte. Leider werden Hunde aber vorwiegend aufgrund ihrer Rassen beurteilt. Bei den verschiedenen Konditionierungs-Systemen führen viele Wege nach Rom (z.B. bei Gefolgshunden). Bei Leithunden hingegen - enden sie allesamt in derselben Sackgasse....

Menschen legen viel Wert auf Zertifikate - für Leithunde sind

sie nicht nur wertlos, sondern kontraproduktiv!

Ich glaube nicht, dass SKG & Co. noch nicht verstanden haben, was Cesar macht. Auch wenn man das Konditionierungs-System umkrempeln möchte, so gäbe es wohl nicht genügend geeignete Personen, die überhaupt fähig wären, Cesars Philo - sophie zu vermitteln - hauptsächlich, weil ihnen das Rudel und somit auch die Erfahrungen daraus fehlen würden... Ca. 85% aller Hunde sind normale Gefolgshunde, welche sich in der Regel problemlos konditionieren lassen, so schlecht das System oder die Hundeschule auch sein mag. Angenommen es gäbe in der Hundewelt nur noch Leithunde, so könnten sämtliche klassischen Hundeschulen dicht machen und die Hundehaltung würde dann wohl auch verboten werden.

Pack Leader CollarTM (früher Illusion CollarTM)

Cesar verkauft dieses spezielle Halsband leider an jedermann, der es kaufen möchte - ganz ohne Schulung... Hier muss man seinen Kritikern Recht geben. Dieses Halsband ist ein versteckter Würger, weil in das Halsband ein dünnes Seil eingearbeitet ist, das auf Zug dem Hund die Luft abschnürt. Solche Halsbänder sind in der Schweiz seit 2014 (endlich!) verboten. Solche Instrumente gehören (wenn überhaupt) nur in professionelle Hände. Ich selbst habe nie zu solchen Hilfsmitteln greifen müssen. Also liebe Hundehalter - bitte Finger weg davon! (damit schafft man kein Vertrauen...)

Mein persönliches Fazit

I ch würde es begrüssen, wenn Tierschutzorganisationen endlich verstehen würden, dass sie ihre Energie im Kampf gegen Cesar Millan nur verschwenden. Die verlorene Energie steht dann leider nicht mehr zur Verfügung, um wirklichen Tierschutz betreiben zu können, welcher es bitter nötig hätte. Cesar Millan ist so oder so nicht mehr aufzuhalten und wie schon erwähnt, kann man doch nicht wirk - lich glauben, dass die vielen Cesar-Anhänger seine Methoden anwenden würden, um den eigenen Hund zu quälen... Menschen, die mit Vorurteilen behaftet sind, haben leider oft die Fähigkeit verloren, bei gewissen Themen nochmals hinschauen zu können, die man bisher abgelehnt oder als schlecht empfunden hatte... Es könnte sich lohnen , seine eigenen (alten) Grundsätze nochmals zu über - prüfen, bzw. sie zu hinterfragen ... Ich persönlich fand Cesar so richtig toll (bis und mit „der Hundeflüsterer“) und ich habe ihm auch viel zu verdanken. Mittlerweile scheint aber auch Cesar voll dem Kommerz verfallen zu sein. Von seinen neuen Sendungen konnte ich persönlich nichts mehr dazulernen. Deswegen beobachte ich heute lieber mein Rudel als mir seine neuen „Shows“ anzuschauen und leider macht er mit gewissen Clips, die er veröffentlicht, der Hundefachwelt keinen guten Dienst…
Letzte Änderung: 18.08.2022 Kontakt Copyright: dog-psychology-center.ch
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Update: 18.08.2022 Kontakt Copyright dog-psychology-center.ch
In den letzten Jahren wurde Cesar Millan in den Medien gerne immer wieder als Tier - quäler, “Mr. Kick”, etc. bezeichnet. Es gibt wohl keinen anderen Hundeflüsterer der die Hundewelt dermassen polarisiert, bzw. Meinungen spaltet. Für die einen ist er der “Hunde- Messias”, für die anderen ein Tierquäler. In der Tat bin auch ich nicht mit allem einverstanden, was er gezeigt hatte. Einige Fälle würde er (nach heutigem Wissensstand) sicherlich auch anders lösen. Cesar ist auch nur ein Mensch und jeder hat schon Fehler gemacht. Wichtig wäre, dass man aus Fehlern lernen dürfte. Das hat Cesar in den letzten Jahren mehrfach bewiesen (heute verwendet er z.B. Vibrations-Halsbänder anstelle der Elektro-Halsbänder). Bei 80-90% der Fälle, wo Cesar Millan für seine Arbeitsweise kritisiert wurde, handelte es sich um extremste Fälle aus den Serien 1-2, die aus den Jahren 2004- 2005 stammen - also ganz am Anfang seiner Hundeflüsterer-Karriere. Sie sind nun über 15 Jahre alt... Bei den gezeigten Beispielen handelte es sich um Hunde, mit jeweils kras - sestem, z.T. äusserst aggressivem Verhalten. Man vergisst auch, dass diese Hunde zuvor menschlichen Umfeld (durch Vermenschli - chung) so „kaputt“ gemacht wurden - nur weil man ihnen im falschen Moment Zuwendung gab. Hunde kommen nie mit Fehlverhalten zur Welt - sie werden immer durch das Umfeld “erworben”, wie man es in der Fachsprache nennt. Cesar Millan hat diesen Hunden wenigstens eine Chance gegeben und oft auch bewiesen, dass sie in einem artgerechten Umfeld (Rudel) normal funktionieren können, egal, was sie vorher alles erleben mussten. Ob es dann zu Hause auch funktio - nieren kann, ist eine andere Geschichte. In den Serien 4-6 (ab 2010) zeigt der Hundeflüsterer ganz klar eine andere Arbeitsweise. Cesar Millan hat mit den Jahren seine Methoden stark verändert und er arbeitet seither viel mehr mit Körpersprache und Blickkontakt, als mit körperlichen Korrekturen. Auch er durfte über die Jahre lernen, dass man Hunden mit Fehlverhalten viel schneller helfen kann, wenn man den Hund in seiner Psyche erreicht . Nur so kann ein Hund einem Menschen so rasch vertrauen, wie Cesar dies mehr als genug in seinen Sendungen gezeigt hatte. Bei der Serie 6 war der Hundeflüs - terer selbst an seinem Tiefpunkt angelangt (Scheidung, Selbstmordab - sichten, etc.). In dieser Zeit kann man gut sehen, dass auch Cesar nur ein Mensch ist und auch er in schwierigen (persönlichen) Situationen Fehler machte, bzw. auch er es in gewissen Situationen es nicht schaffte, immer die richtige Energie zu haben, die man bei der Arbeit mit hochsensiblen Hunden haben müsste (als er von einem Labi gebissen wurde). Auch wenn ich mittlerweile meine eigene Philosophie entwickelt habe, so zählen Cesar Millan und Maike Maja Nowak zu meinen grössten Vorbildern und ich zähle die beiden zu den besten Hundeverstehern auf der ganzen Welt. Besonders Cesar Millan hatte ich in den ersten 3-4 Jahren sehr viel zu verdanken und die Hundeflüsterer-Serien zählen noch heute zu den lernreichsten Sendungen , die es aus meiner Sicht gibt. Sendungen, die nach seiner Schei - dung produziert wurden, kann man sich sparen - er scheint nicht mehr derselbe zu sein.

Wenn nicht Cesar - wer hilft sonst

bei extremen Fällen?

Jeder Hund erwartet einen gewissen „Level“, damit er sich unterordnen kann (abhängig vom Hunde-Typ und seiner Wesensstärke und seinem Alter). Als Mensch könnte man diese Grenze auch als “Dominanz-Skala” oder “Gewalt-Skala” bezeichnen. Erwartet ein Hund z.B. Stufe 5 (von 10), so muss man ihm EINMAL zeigen, dass man bereit ist, bis Stufe 6 zu gehen, damit man respektiert werden kann. Hunde tasten sich in der Natur langsam an diese Grenze heran. Deswegen wird jede Korrektur (die igno - riert wurde), beim nächsten Mal immer etwas stärker, bis die Grenze dann erreicht ist. Trifft man also auf extreme Fälle (1% aller Hunde), wo der Hund bereit ist, sein Gegenüber zu töten , so lassen sich solche Hunde nicht mit vermensch - lichten Trainingsmethoden, wie z.B. der operanten Lernmethode, Clicker-Training, Leckerli & Co, etc therapieren. Deswegen braucht es Menschen mit einem souveränen Leithunderudel , um Leithunden und ihren Hundehaltern helfen zu können. Erst wenn man selbst einen Leithund bekommen hat, kann man verstehen , wie wichtig Menschen wie Cesar und meine Wenigkeit sind, um die natürliche K ommunikation und artgerechte Haltung von Leithunden erlernen zu dürfen.

Sollte man bei extremen Fällen

überhaupt helfen?

Cesar Millan hat vielfach bewiesen, dass er mit seinem Rudel fast jedem Hund wieder in diesen ruhigen und ausgegli - chenen Zustand verhelfen konnte, auch wenn der Aufenthalt in seinem Zentrum teilweise mehrere Monate gedauert hatte. Leider fallen aber viele Hunde wieder in ihre alten Verhaltensmuster zurück , sobald sie wieder zu ihren Besit - zern zurückgebracht wurden. Dies, weil die Besitzer es nicht schafften, stets diese “ruhige und bestimmte Energie” an den Tag zu legen. Meine Erfahrung zeigt, dass man bei gewissen Hunden nur gute Chancen hat, wenn man sich rechtzeitig um Führung kümmert. Hat ein Leithund sein Menschenrudel schon über mehrere Jahre kontrolliert, so wird es sehr schwierig, ihn dazu zu bringen, seinen Führungsanspruch wieder abzugeben... Leider bleibt aus tierpsychologischer Sicht (bei extremen Fällen in hohem Alter) nur noch die Empfehlung, den Hund von seinem Stress zu erlösen, wenn die Aussichten auf Erfolg nicht mehr gegeben sind, bzw. der Alltags-Stress für den Hund zu gross würde und/oder er für sein Umfeld zur Gefahr werden könnte. Allzu oft werden Hunde eingeschläfert oder weggesperrt, denen man hätte helfen können, wenn man das Wissen über diese speziellen Hunde gehabt hätte.

Warum zeigen Hunde aggressives

Verhalten?

Ich kann nicht verstehen, warum man heute noch Rassen züchtet, die über 50kg wiegen müssen und leider wird allzu oft mit unausgeglichenen Muttertieren gezüchtet ... Bekommt man dann noch einen Leithund und gibt ihm dann von Anfang an vorwiegend Zuwendung anstelle klarer Strukturen und Regeln (die der Hund von seiner Mutter gewohnt war), so nehmen Hundeprobleme mit der Zeit immer ihren Lauf. Hunde sind Rudeltiere und sollten nicht allein gehalten werden. Insbesondere Leithunde bräuchten 1-2 passende Artge - nossen, um ein artgerechtes Leben führen zu dürfen. Bei Einzelhaltung kann ein Leithund in seiner Rolle überfordert sein und sie kann zu Frustrationsverhalten führen . Mit der Zeit wird es immer grösser und der Hund befindet sich irgendwann in einem “dauerangespannten Modus”. Bei unausgeglichenen Hunden kann schon die kleinste Aufregung zu Aggressions-Verhalten führen.

Physische Gewalt / Schmerzemp-

finden bei Hunden

Jeder Mensch hat seine eigene Definition von körperlicher Gewalt. Der eine würde einen Wasserspritzer als Gewalt empfinden, der andere z.B. einen „Kick“ oder einen Leinenruck. Selbstverständlich kann nicht das Ziel sein, dass man ständig an seinem Hund herumzerren oder ihn treten müssen. Dies wäre tierschutz-widrig und wäre ein klares Zeichen, dass man vom Hund nicht als Führungsperson akzeptiert bzw. respektiert werden kann. Betrachtet man z.B. meine Leithunde im Rudel, so korrigieren diese oft härter als wir Menschen dies tun würden. Weil sie darauf bestehen, dass der (weniger souveräne) Hund die Korrektur akzep - tieren muss, müssen sie dann auch nicht ständig immer und immer wieder korri - gieren.

Eine Korrektur versteht ein Hund

- nicht aber eine Bestrafung

Es ist ein grosser Unterschied , ob man den Hund nur korrigiert, oder ihn (aus menschlicher Sicht) bestrafen würde. In der Natur gibt es keine Bestrafungen - nur Korrekturen. Der wichtige Unterschied liegt darin, dass Korrekturen von Hunden immer emotionslos gemacht werden. Hat man als Mensch schlechte Energien (wir sind ärgerlich, frustriert, wütend, etc.), so kann der Hund nichts lernen. Sie können nur auf souveräne Wesen hören. Genau in diesem Moment verliert man den Einfluss auf seinen Hund komplett. Versucht man dann auch noch mit Druck zu arbeiten, kann man in so einem Moment vom eigenen Hund gebissen werden (aus seiner Sicht war es jedoch eine Korrektur).

Psychische Gewalt /

Überforderung bei Reizen

Oft vergisst man, dass ein Hund eine „tierische“ Psyche hat. Deswegen liegt man auch so oft falsch, wenn man seine Bedürfnisse über Hunde befriedigt und sich dann auch noch einredet, dass es für den Hund so auch stimmen müsste (er hat ja alles...). Genau hier fängt die Vermenschli - chung von Hunden an, denn sie haben ganz andere Bedürfnisse, als Menschen... Leithunde, die zu Hause ihre Menschen besitzen oder kontrollieren dürfen, sind dann mit ihrer Führungsrolle (draussen, im fremden